
Seit den 50er Jahren zeigt sich Ernst Jacobi in gewichtigen Filmen und auf sämtlichen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen in großen Rollen, ohne dabei jemals Aufheben von sich gemacht zu haben. Obwohl der Charakterdarsteller das kulturelle Geschehen in fünf Jahrzehnten maßgeblich prägte, ist über die Privatperson kaum etwas bekannt. Dass er seine Erlebnisse zwischen 1933 und 1957 doch öffentlich machte, ist Konsequenz einer Standortbestimmung, die mit Blick auf den bevorstehenden 75. Geburtstag unternommen wurde. Sieben Jahre hat Ernst Jacobi an dem schweren Unterfangen gearbeitet, sich der eigenen Wurzeln schriftlich zu versichern. Pünktlich zum runden Jubiläum am 11. Juli 2008 lagen seine Kindheits- und Jugenderlebnisse u.d.T. "geb. '33" vor. - Da ist viel von Sprachlosigkeit und Lieblosigkeit die Rede, was für Jacobis Generation nicht untypisch ist. Eine unglückliche Kindheit war dem Schauspieler wohl nicht allein aufgrund seines Jahrgangs beschieden, sondern auch durch den Umstand, dass er als "Sohn eines Guten Jungen", wie man seinen Vater – einen Offizier und Akademiker – in der Familie nannte, und als "Balg eines schlechten Frauenzimmers" zur Welt gekommen ist. Gegen die Ehe seiner Eltern wurde intrigiert, was zur Folge hatte, dass der junge Jacobi bei seiner Mutter aufwuchs, die unter schwierigen Bedingungen bereits eine uneheliche Tochter zu versorgen hatte. Ende 1939 bringt sie den Buben aufs Land ins evangelische Pfarrhaus nach Großbösendorf, die 1930 geborene Tochter Bärbel wird nach Mähren verschickt. Mutter und Schwester sieht Jacobi erst nach Kriegsende im zerbombten Berlin wieder. Die gestörte Bindung heilt nicht mehr. Die Mutter stirbt 51-jährig 1954 an Krebs, die Halbschwester Bärbel begeht 1957 Selbstmord.



Manfred Lütz, der Autor dieses populärwissenschaftlichen Sachbuchs studierte Medizin, Philosophie und katholische Theologie. Als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung wurde er Chefarzt eines katholischen Krankenhauses in Köln und befasste sich praktisch mit verschiedenen Richtungen der therapeutischen Arbeit. Zudem ist er in verschiedenen Gremien der katholischen Kirche engagiert. Er verfasste verschiedene Sachbücher, zuletzt das hier vorzustellende "Irre! Wir behandeln die Falschen - unser Problem sind die Normalen. Eine heitere Seelenkunde", in dem er dem interessierten Laien psychische Erkrankungen und unterschiedliche Therapieverfahren näherbringen will.
