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Die Engelspuppe. Erzählungen von Eduard Kotschergin

Mit dem Erzähl­band "Die En­gel­spuppe" fördert der per­sona Verlag er­neut ein li­te­ra­ri­sches Unikat zu­tage. Er­lebt und auf­ge­schrieben hat die Ge­schichten ernsten und hei­teren In­halts der rus­si­sche Bühnenkünstler Eduard Ko­tschergin, dessen über­ra­gende Bühnen­bilder in­ter­na­tio­nales Re­nommee genießen. Über­setzt und mit kennt­nis­rei­chen An­mer­kungen ver­sehen wurden die poe­ti­schen Kleinode, die 2003 erst­mals in Russ­land er­schienen sind, von Ganna-Maria Braun­gardt, Re­nate Reschke und Thomas Reschke, der als meis­ter­li­cher Über­setzer von Mi­chael Bulgakow und Boris Pas­ternak Be­kannt­heit er­langte. - Das li­te­ra­ri­sche Debüt eines be­deu­tenden Bühnen­ma­chers wurde in Ko­tschergins Heimat be­geis­tert auf­ge­nommen. Die Kritik war sich einig, dass hier ein sprach­ge­wal­tiges Ta­lent den Er­nied­rigten und Be­lei­digten eine glaubwürdige Stimme gibt. 2008 wurde dem Ver­fasser der Ge­schichten der re­nom­mierte rus­si­sche Kul­tur­preis "Tri­umph" zu­er­kannt.

Die 24 Erzählungen werfen einen Blick zurück auf die ersten drei Jahr­zehnte von Ko­tschergins Bio­grafie. Sie sind chro­no­lo­gisch ge­ordnet und nach Le­bens­ab­schnitten un­ter­teilt. Den An­fang ma­chen die grau­samen Zeiten, die der Autor in­folge der Ver­haf­tung seiner El­tern als ver­meint­liche Klas­sen­feinde ab dem zweiten Le­bens­jahr in Kin­der­heimen und Bes­se­rungs­an­stalten des NKWD zu­brachte, sowie die aben­teu­er­li­chen Er­leb­nisse während seiner sie­benjährigen Flucht aus einem Kin­der­heim in Si­bi­rien. An die Epi­soden, die zwi­schen 1945 und 1952 spielen, reihen sich Be­geg­nungen, die sich in den fünf­ziger Jahren in St. Pe­ters­burg zu­trugen. Es folgen denkwürdige Er­leb­nisse des Au­tors als junger Bühnen­bildner in den frühen Sech­zi­gern, und schließlich wun­der­same Ge­schichten, die sich auf seinen aus­ge­dehnten Wan­de­rungen in den rus­si­schen Norden er­eig­neten.

Ob­wohl die Umstände in der So­wje­tu­nion nach dem "Großen Va­terländi­schen Krieg" ver­hee­rend ge­wesen sind und alp­traumar­tige Er­leb­nisse be­richtet werden, sucht der Leser An­wand­lungen von Wehmut oder gar Bit­ter­keit beim Erzähler ver­geb­lich. Tatsäch­lich über­wiegen in den Ge­schichten Le­bens­lust und Witz. Köst­lich ist, wie der Autor den Per­so­nen­kult um Lenin und Stalin, die da­mals herr­schende No­men­kla­tura und die Auswüchse eines bru­talen Sys­tems per­si­fliert, das den Men­schen nicht achtet. Eduard Ko­tschergin er­weist sich als ein fein­sin­niger Chro­nist, den we­niger die Kritik am Kom­mu­nismus sta­li­nis­ti­scher Prägung als viel­mehr die Liebe zu den Men­schen zum Erzählen treibt, die das System ge­beu­telt hat. Äußerst einfühlsam porträtiert er hu­mor­voll große und kleine Gauner, ge­wiefte Huren, no­to­ri­sche Trinker, Of­fi­ziere, Er­zieher und Kriegskrüppel. Die Ge­schichten, die ein hier­zu­lande na­hezu un­be­kanntes Russ­land der Nach­kriegs­zeit au­fer­stehen lassen, klingen nach. Noch Tage nach der Lektüre taucht eine Sen­tenz, ein Bild oder eine skur­rile Figur wieder auf. Bei­spiels­weise der Schau­spieler und Hühnerzüchter Je­w­geni Scham­brajew oder das Mädchen Paschka…

Eduard Ko­tschergin, Die En­gel­spuppe. Erzählungen. Aus dem Rus­si­schen über­setzt von Ganna-Maria Braun­gardt, Re­nate Reschke und Thomas Reschke, per­sona verlag

Siehe dazu auch das Gespräch mit dem Über­setzer Thomas Reschke (Au­toren-Gespräche)

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Die Über­set­zerin Ganna-Maria Braun­gardt und der Autor Eduard Ko­tschergin aus St. Pe­ters­burg geben eine Einführung in das Buch, dessen Vor­ge­schichte, Ent­ste­hung und Struktur. (klb­Kultur)

Am 6. Juni 2010 wurde Eduard Ko­tschergin mit dem rus­si­schen "Na­tional Best­seller Book Prize 2010" ge­ehrt. Mit diesem Preis werden Werke aus­ge­zeichnet, denen die Jury einen zukünf­tigen Best­seller-Status wünscht, weil sie von hohem li­te­ra­ri­schen Rang sind. 

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