Was den Tod anbetrifft, so bleiben die meisten von uns stumm. Nach innen und nach außen. Dabei steht eines fest: Es gibt keine Lebenserfahrung, auf die wir uns so lange und so sorgfältig vorbereiten können wie auf das Sterben. So vorbereiten, dass es auch um den Abend licht wird, wie der Prophet Sacharja schreibt. Und das wäre eine Vorbereitung nicht nur auf das Ende unseres Lebens, sondern auf seine Mitte und seine Tiefe. Denn – "Sterbenskunst ist Lebenskunst und umgekehrt".
Waldemar Pisarski weiß, warum er sich in "Auch am Abend wird es licht sein" dezidiert gegen das Verdrängen des Todes aus dem Leben ausspricht. Dem Sterben ist er immer wieder begegÂnet: In einem amerikanischen Zuchthaus betreute er zum Tode Verurteilte, er war sechs Jahre lang Pfarrer in der KZ-Gedenkstätte Dachau und arbeitete über ein Jahrzehnt seelsorgerisch in einem deutschen Großkrankenhaus. Die persönlichen Erfahrungen mit Gewalt, Unrecht und Not, seine täglichen Besuche an Sterbebetten, die zahllosen Gespräche mit Angehörigen und nicht zuletzt der Tod des eigenen Vaters haben ihn gelehrt, das Sterben als Schwelle für neues Leben zu begreifen.




