Gerne empfehle ich Kindern ab 6 Jahren das Bilderbuch "Mercedes und der Schokoladepilot" zur Lektüre. Es macht mit den Heldentaten des inzwischen 89-jährigen Air-Force Piloten Gail Halverson bekannt, der in die Zeitgeschichte als "Onkel Wackelflügel" bzw. "Schokoladepilot" einging. Während gefährlicher Landemanöver im Rahmen der Berliner Luftbrücke warfen er und seine Flugkameraden mehr als 23 Tonnen Süßigkeiten für Berlins hungernde Kinder ab. Die süßen Gaben, die an kleinen Fallschirmen aus Taschentüchern vom Himmel segelten, spendeten nicht nur verletzten Kinderseelen Trost. Mit ihren waghalsigen Einsätzen hatten die "Candy-Bomber" wenige Jahre nach Kriegsende ein symbolträchtiges Zeichen gesetzt, das nicht allein den eingeschlossenen Berlinern Hoffnung gab. Aus kindgerechter Perspektive erzählt Margot Theis Raven im großformatigen Bilderbuch die Geschichte der siebenjährigen Mercedes, die nach Kriegsende mit ihrer Mutter in der Friedenauer Hähnelstraße lebt.



Man staunt nicht schlecht, wenn man das Erstlingswerk der 14-jährigen Maja Ronca liest. Die Jung-Autorin hat nicht nur eine klasse Schreibe, sondern auch einen scharfen Blick auf den Alltag und für ihre Mitmenschen. Noch dazu zeigt sie ein erstaunlich feines Gespür für Probleme, die Erwachsene haben. Die Protagonisten und NebenÂfiguren in der Geschichte "Verlieben ist fast nur was für Mädchen" sind überÂzeugend gestaltet, die verschiedenen Handlungsstränge geschickt verwebt. Anders als Leander Winkels, der im Herbst vergangenen Jahres mit dem Roman "Die Blumen des Bösen" als jüngster Autor der Frankfurter Buchmesse in den Medien Furore machte, entführt Maja Ronca den Leser aber nicht in eine mysteriöse Fantasiewelt. Zwar sind Handlung und Figuren frei erfunden sind, dennoch bleibt die Geschichte den realen Erfahrungshorizonten eines Teenagers treu, der in einer Stadt mit knapp 24.000 Einwohnern lebt. Und so ist das Debüt auch deshalb ein Lichtblick, weil die 14-Jährige die Lebensgefühle einer jungen Generation artikuliert, die behütet aufwächst. – Mit anderen Worten: Es gibt sie also doch: ganz "normale" Teenager mit ganz "normalen" Pubertätsproblemen.
