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HÖRBÜCHER/ WERKE, DIE WIR GERNE UM DIE OHREN HABEN

Helmut Kraussers "Eros", gelesen von Ernst Jacobi und Sylvester Groth

Ei­nige li­te­ra­ri­sche Werke bieten sich schon auf­grund ihrer Er­zähl­struktur für eine Hör­­bucha­d­ap­ta­tion an. So der Roman "Eros" von Helmut Krausser. Alex­ander von Brücken, mil­li­ar­den­schwerer In­dus­tri­eller, Jahr­gang 1930, holt sich nahe am Tode einen nam­haften Schrift­steller ins Haus, um diesem von seiner le­bens­langen, un­er­füllten Liebe zu Sofie zu be­richten. Aus der Rück­schau, die wich­tige Nach­kriegs­sta­tionen der Bun­des­re­pu­blik auf­rollt, soll nach von Brückens Ab­leben ein Buch ent­stehen. Be­din­gung ist, dass der Roman die Au­then­ti­zität der Ge­schichte ver­schweigt. - Den li­te­ra­ri­schen Stoff, der in der Hör­buch­ver­sion auf 9 CDs 656 span­nungs­reiche Mi­nuten füllt, spre­chen Ernst Ja­cobi und Syl­vester Groth unter der Regie von Walter Adler un­ge­kürzt. Ernst Ja­cobi mimt die Rolle des Alex­ander von Brücken, Syl­vester Groth, die des na­men­losen Schrift­stel­lers, dem eine Ge­schichte dar­ge­boten wird, der man kaum Glauben schenken kann. An­fangs ent­spre­chend skep­tisch und di­stan­ziert ent­wi­ckelt er im Ver­lauf der bio­gra­fi­schen Schil­de­rungen zu­neh­mend An­teil­nahme, so­wohl für Sofie, die eher zu­fällig als ge­wollt in die ter­ro­ris­ti­sche Szene ab­gleitet, wie für Alex­ander von Brücken, der sich 13-jährig im Luft­schutz­keller in das Ar­bei­ter­mäd­chen ver­liebte. Ernst Ja­cobi wie­derum redet sich die ob­ses­sive Liebe zu Sofie re­gel­recht von der Seele. An­fangs wahrt er noch die Fas­sung, ver­zichtet, um nicht un­glaub­würdig zu wirken, auf Dra­ma­ti­sie­rungen: die Stimme bleibt er­staun­lich un­mo­du­liert, der Spre­cher la­ko­nisch. Seine Er­schüt­te­rung nimmt zu, je mehr er von Brückens Be­ses­sen­heit preis­gibt. Er macht sich den Hörer zum Kom­plizen, der fas­sungslos daran An­teil nimmt, wie sich eine Lei­den­schaft zur Zwangs­neu­rose stei­gert: Um Sofie auf­zu­spüren, lässt Alex­ander von Brücken sie be­schatten, greift sogar in ihr Leben ein. Und den­noch bleibt ihm das Ob­jekt der Be­gierde bis zum Schluss des pa­ckenden Hör­buchs fern.

 

Antigone - Ein Hörspiel inszeniert von Johannes Steck und Lutz Schäfer

Ob Men­dels­sohn, Scar­latti, Orff, Eu­ri­pides, Höl­derlin, Hof­mannsthal, Ha­sen­clever, Coc­teau oder Anouilh – der my­tho­lo­gi­sche Stoff über eine 20-Jäh­rige, die sich wei­gert, zur Ja-Sa­gerin zu werden, be­schäf­tigt Künstler seit So­pho­kles Erst­ling. Fri­schen Wind in den zeit­losen Stoff aus der An­tike bringt ein Hör­spiel nach der An­ti­gone-Be­ar­bei­tung durch Jean Anouilh. Die Fäden zu­sammen hält Jo­hannes Steck, der mit der Ad­ap­ta­tion den Be­weis an­tritt, dass er nicht nur ein vor­züg­li­cher Spre­cher, son­dern auch ein groß­ar­tiger Re­gis­seur ist, der sich darauf ver­steht, einem an­tiken Stoff neue Seiten ab­zu­ge­winnen. Ihm zur Seite als Re­gis­seur steht Lutz Schäfer und eine erst­klas­sige Spre­cher­riege, die dem tra­gi­schen Stoff eine fri­sche, bis­weilen freche Note gibt.

 
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