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Charlotte Roche : Feuchtgebiete

Durch Zu­fall und unter An­lei­tung einer männ­li­chen Zu­falls­be­kannt­schaft hat Helen Memel die In­tim­rasur als ein für sie stim­miges Ri­tual ent­deckt, das sie auch ohne einen Partner re­gelmäßig prak­ti­ziert - al­ler­dings, wie es ihre Art ist - aus­ge­dehnter und mit we­niger Rück­sicht auf et­waige Ver­let­zungen. Und so bleibt es nicht aus, daß eine bis in die Anal­re­gion rei­chende Rasur zu Ver­let­zungen an Hämor­rhoiden und After führen, die eine Ope­ra­tion und einen Auf­ent­halt im Kran­ken­haus unumgäng­lich ma­chen. Al­ler­dings ist dieses Ri­tual nur eines von meh­reren, die Helen seit Jahren ausübt. Ex­treme Prak­tiken der Ma­stur­ba­tion ge­sellen sich zu einem recht ei­gen­wil­ligen Um­gang mit Körperflüssig­keiten und Se­kreten, zu ex­hi­bi­tio­nis­ti­schen Nei­gungen und In­zest­phan­tasien.

 

Karen Duve : Die entführte Prinzessin

Das hoch im Norden ge­le­gene König­reich Snöggl­in­du­r­al­t­horma hat viele Pro­bleme : während Armut und lange und de­pri­mie­rende Winter unabänder­lich scheinen, hat man we­nigs­tens die Schwie­rig­keiten mit der Na­mens­ge­bung be­heben können und Snöggl­in­du­r­al­t­horma ein­fach in "Nord­land" um­be­nannt. Gegen die Armut wüßte man eben­falls ein Mittel : Prin­zessin Lis­vana müßte einen begüterten Prinzen hei­raten, der auf eine hohe Mit­gift nicht allzu viel Wert legen dürfte. Doch bis­lang mochte sich kein Prinz in dieses ab­ge­le­gene Stück Erde ver­irren, zumal die Reise dorthin ent­weder - über das of­fene Meer - gefähr­lich ist, weil sich dort Heer­scharen un­glaub­li­cher Mee­res­ungetüme tum­meln, oder - auf dem Landweg - recht un­kom­for­tabel, weil das be­nach­barte Ne­bel­reich von den Ausdüns­tungen brüns­tiger Dra­chen ver­pestet ist. Eine Ge­sell­schaft­ga­zette mit einer Liste un­ver­hei­ra­teter Prin­zes­sinnen, de­tail­genau in den An­gaben über Aus­sehen und die Höhe der Mit­gift, läßt im fernen Bas­ka­rien den von seinen El­tern in per­ma­nente Op­po­si­tion ge­trie­benen Prinzen Diego auf­hor­chen.

 

Gordon Dahlquist : Die Glasbücher der Traumfresser

In der Mitte des neun­zehnten Jahr­hun­derts sind drei Per­sonen un­ver­mit­telt mit uner­war­teten Er­eig­nissen kon­fron­tiert, die sie recht bald in das Zen­trum einer großen, ziem­lich un­durch­sich­tigen Ver­schwörung führen. Ce­leste Temple, eine fünf­und­zwan­zigjährige, aus der Ka­ribik stam­mende Tochter eines Plan­ta­gen­be­sit­zers hatte fernab der Heimat nach einem ge­eig­neten Bräutigam ge­sucht und in Ro­bert, einem Mit­ar­beiter des Außen­mi­nis­te­riums, auch ge­funden. Der je­doch be­endet die Ver­lo­bung ohne Begründung, und Ce­leste be­schließt, dessen Mo­tive zu er­for­schen und Ro­bert zu be­schatten. Der Auf­tragsmörder Kar­dinal Chang hat ein ganz an­deres Pro­blem : er wurde ge­dungen, einen Re­gi­ments­kom­man­deur im Auf­trag von dessen Ri­valen um den Posten zu er­morden. Zwar ist Oberst Trap­ping bald darauf tot, doch hat je­mand an­deres Changs Auf­trag ausgeführt. Auch Abe­lard Svenson, Ho­f­arzt des meck­len­bur­gi­schen Kron­prinzen, steckt in Schwie­rig­keiten : der Kron­prinz, be­kannt für seine psy­chi­sche In­sta­bilität und ein Faible für Frauen, ist ver­schwunden.

 

John Maxwell Coetzee : Schande

Einst Phi­lo­loge, ist der zwei­undfünf­zigjährige Pro­fessor David Lurie, dessen Spe­zi­al­ge­biete die eng­li­schen Ro­man­tiker und vor allem Lord Byron sind, in­zwi­schen auf einen un­ge­liebten Lehr­stuhl für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft ab­ge­schoben worden. Ge­wis­sermaßen als Kom­pen­sa­tion darf er in jedem Se­mester ein Se­minar zu seinem ei­gent­li­chen Fach­ge­biet halten. Auch in Sa­chen Liebe hat sich Lurie mehr oder we­niger zu be­scheiden ge­lernt - zwei Ehen sind ge­schei­tert, seine An­zie­hungs­kraft als Wei­ber­held ist längst er­lo­schen, und er ar­ran­giert sich in einer Pseud­o­be­zie­hung mit einer far­bigen Pro­sti­tu­ierten. Als ihn eine zufällige Be­geg­nung dazu treibt, ihr auch im Pri­vat­leben hin­ter­her­zu­schnüffeln, zer­bricht das fra­gile, geschäft­liche Ar­ran­ge­ment.

 

Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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